Lungenfunktionsmessungen beim Hausarzt

Wir zeigen Abrechnungsmöglichkeiten in der hausärztlichen Praxis angewandter Lungenfunktionsdiagnostik (ohne Bodyplethysmographie) in der GOÄ auf. Vom EBM unterscheiden sich die Abrechnungsmodalitäten vor allem dadurch, dass es keine Komplexleistung (03330 EBM) gibt, sondern Einzelleistungen berechnet werden.

Die „kleinste“ Lungenfunktionsprüfung (LuFu) in der GOÄ ist die Nr. 608 (s. Infokasten). Sie kann schon für die Bestimmung auch nur eines Parameters berechnet werden, allerdings auch bei Bestimmung mehrerer Parameter (z. B. Peakflow und Atemstoßwert) in einer Sitzung nur einmal. Wird eine Flussvolumenkurve dargestellt und dokumentiert, ist Nr. 605a zusätzlich zu Nr. 608 GOÄ berechenbar (s. Infokasten). Nicht zusätzlich zur Nr. 608 berechenbar sind die Nrn. 603 oder 604 (Atemwegwiderstände), 605 (Ruhe­spirographische Untersuchung).

GOÄ-Nrn. auf einen Blick

Kleine LuFu

Nr. 608 GOÄ:

„Ruhespirographische Teiluntersuchung (z. B. Bestimmung des Atemgrenzwertes, Atemstoßtest), insgesamt), 1,8fach 7,97 €.“

Tests auf Medikamentenwirkung

Nr. 604 GOÄ:

„vor und nach Applikation pharmakodynamisch wirksamer Substanzen.“

Nr. 609 GOÄ:

„Bestimmung der relativen und absoluten Sekundenkapazität vor und nach Inhalation pharmakodynamisch wirksamer Substanzen, 1,8fach 19,09 €.“

Ruhespirographie

Nr. 605 GOÄ:

„Ruhespirographische Untersuchung (im geschlossenen oder offenen System) mit fortlaufend registrierenden Methoden.“

Nr. 605a GOÄ:

„Darstellung der Flußvolumenkurve bei spirographischen Untersuchungen – einschließlich graphischer Registrierung und Dokumentation, 1,8fach 14,69 €.“

Tests auf Medikamentenwirkung

wichtigNr. 608 GOÄ ist pro Sitzung nur einmal berechnungsfähig

Die Nrn. 604 und 609 sind bei Verwendung verschiedener (!) Pharmaka in einer Sitzung auch mehrfach berechnungsfähig. Für Allergentests treffen die Nrn. 397/398 zu

Für den NO-Atemtest ist Nr. 615 analog berechenbar

Die Nrn. 605 und 605a sind pro Sitzung nur einmal berechnungsfähig

Nr. 605a ist zu den Nrn. 605, 606 und 608 berechenbar

Nr. 604 GOÄ ist bei der Untersuchung mit verschiedenen Pharmaka mehrfach berechnungsfähig (s. Infokasten). Bei Verwendung nur eines Pharmakons in verschiedenen Konzentrationen ist Nr. 609 jedoch nur einmal berechnungsfähig, ggf. kann der Faktor erhöht werden (bis 2,5-fach). Zu Nr. 604 sind die Kosten abgegolten.

Inhaltlich verwandt mit der Nr. 608 ist die Nr. 609 (s. Infokasten), z. B. der Bronchospasmolysetest mittels Bestimmung der Sekundenkapazität. Die Nrn. 608 und 609 schließen sich aus. Nicht ausgeschlossen zur Nr. 609 ist aber die Nr. 604. Hinweis: Für den bronchialen Provokationstest mit Allergenen sind die Nrn. 397/398 zuständig.

Nr. 609 ist bei Verwendung verschiedener Pharmaka in einer Sitzung mehrfach berechnungsfähig. Bei Verwendung nur eines Pharmakons in verschiedenen Konzentrationen ist Nr. 609 jedoch nur einmal berechnungsfähig, der höhere Aufwand kann mit einem höheren Faktor (bis 2,5-fach) berücksichtigt werden. Zur Nr. 609 sind mit der Gebühr die Kosten (z. B. für die Bronchospasmolytika) abgegolten. Für die Nrn. 397/398 gilt das aber nur bei Verwendung serienmäßig lieferbarer Testmittel. Für einen NO-Atemtest (z. B. zur Kontrolle bei Kortikoidtherapie) ist Nr. 615 analog berechenbar (1,8-fach 23,82 €) berechenbar.

Ruhespirographie

„Kernleistung“ der hausärztlichen Lungenfunktionsprüfung ist die Nr. 605 GOÄ (s. Infokasten). Sie umfasst insbesondere Kapazitäts- und Volumenbestimmungen.
Neben Nr. 605 sind die Nrn. 606 (spiroergometrische Untersuchung) und 608 ausgeschlossen. 

Nr. 605 GOÄ stellt auf eine „Untersuchung“ ab. Dies ist anders als z. B. bei der Nr. 609, die auf eine „Bestimmung“ abstellt. Nr. 605 kann deshalb in einer Sitzung nur einmal berechnet werden.

Die Darstellung der Flussvolumenkurve ist eine in der GOÄ eigenständig angeführte Leistung mit der Nr. 605a (s. Infokasten). Sie kann zusätzlich zu Nr. 605 berechnet werden, ebenso zu den Nrn. 606 (Spiroergometrie) und 608 (ruhespirographische Teiluntersuchung). Da Nr. 605a die Flussvolumenkurve zwar in der Einzahl anführt, dies aber „bei spirographischen Untersuchungen“ (Plural), kann sie nur einmal pro Sitzung berechnet werden (von der Ausnahme bei Bodyplethysmographie im Rahmen der Testung bronchialer Hyperreagibilität abgesehen). Der erhöhte Aufwand der Darstellung mehrerer Flussvolumenkurven zu verschiedenen Leistungen in einer Sitzung oder z. B. im Rahmen einer Spiroergometrie (Nr. 606) kann nur mit einem höheren Faktor zu Nr. 605a berücksichtigt werden (bis 2,5-fach). 

► Stand: Dezember 2020

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