Übergewicht: Tendenz zunehmend

Seit Jahren wird mit steigender Tendenz bei Patientinnen und Patienten Übergewicht festgestellt. In haus­ärztlichen Praxen stellt sich damit die Frage, ob und welche Leistungen bei Behandlungen von Übergewichtigen zulasten der GKV berechnet werden können.

Nach statistischen Auswertungen haben in Deutschland etwa 40 % der Erwachsenen einen BMI von 25–30 und etwa 20 % einen BMI von über 30. Der Anteil Übergewichtiger ist in der Altersgruppe ab 65 Jahren am häufigsten. Nicht nur im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen sollten die Körpergröße und das Körpergewicht festgestellt und dokumentiert werden. 
Wegen der kardialen Belastung wird bei übergewichtigen Patientinnen und Patienten, auch bei Jüngeren, regelmäßig ein EKG durchgeführt, der Blutdruck gemessen, weitere Grunduntersuchungen, einschließlich Laborbestimmungen, werden erbracht.

Body-Mass-Index
Zur Definition von Übergewicht, wird heute in der Regel der Body-Mass-­Index (BMI) herangezogen. 
Berechnung des BMI: 
Körpergewicht geteilt durch die Körper­größe in Metern zum Quadrat. 
Beispiel: Körpergröße 1,80 m, 100 Kilo: 100 : 3,24 (1,80²) = 30,86. 
Bei einem BMI über 25 liegt Übergewicht vor, bei einem BMI über 30 Adipositas.

 

Besteht der Verdacht auf das Vorliegen endokriner Störungen, sind entsprechende Bestimmungen durchzuführen, z. B. der Ausschluss einer Hypothyreose. Nach den Grunduntersuchungen stellt sich die Frage, ob lediglich ein Übergewicht vorliegt, welches durch Änderungen der Lebens­gewohnheiten reduziert werden kann, oder ob von einer krankhaften Form auszugehen ist, die zulasten der GKV behandelt werden kann.

Von einem behandlungsbedürftigen Übergewicht kann man bei einem BMI über 30 ausgehen. Zur Codierung ist ein entsprechender ICD-10-Code anzugeben, E66.- (Adipositas) oder E66.8 (krankhafte Adipositas).

Da Adipositas häufig mit psychischen Alterationen verbunden ist, kann eine psychosomatische Behandlung gemäß den Gebührenordnungspositionen (GOP) 35100 und 35110 erwogen werden. Bei extremen Fällen von Adipositas besteht die Möglichkeit, die Personen in spezialisierte Sanatorien zur Reduktion des Körpergewichts einzuweisen. Dabei ist abzuklären, ob die Kosten von den Krankenkassen übernommen werden. Bei exzessivem Übergewicht kann auch eine operative Intervention (Magenteilresektion) erwogen werden. Auch hierzu muss die Kostenübernahme vorab mit den Krankenkassen geklärt werden.

WichtigGrunduntersuchungen bei Übergewichtigen und Adipösen sind mit der Versichertenpauschale 03000 abgegolten.

Bei krankhaftem Übergewicht abklärende Untersuchungen, Laborbestimmungen und so weiter zulasten der GKV erbringen.

Zur Definition von Übergewicht hat sich der Body-Mass-Index (BMI) durchgesetzt: Bei einem BMI über 30 kann von einem krankhaften behandlungsbedürftigen Übergewicht ausgegangen werden.

Bei kontinuierlicher Behandlung von Übergewichtigen ggf. die Chronikerzuschläge 03220/03221 berechnen.

Bei Behandlung von Übergewichtigen zulasten der GKV entsprechenden ICD-10-Code angeben, z. B. E66.8.

Behandlungen von nicht krankhaftem Übergewicht privat als IGeL liquidieren.

Übergewichtige als Chroniker

Erfahrungsgemäß fällt es Übergewichtigen häufig schwer, ihr Körpergewicht zu reduzieren bzw. ein einmal reduziertes Körpergewicht zu halten (Jo-Jo-Effekt). Die meisten Übergewichtigen sind Dauerpatienten in der Hausarztpraxis. Erfolgt wegen des Übergewichts in den vorangegangenen vier Quartalen (das aktuelle Quartal zählt mit) in mindestens drei Quartalen eine Behandlung wegen des Übergewichts, sind die Voraussetzungen zur Berechnung der Chronikerpauschalen 03220 und 03221 gegeben.

Die Chronikerpauschalen können nur berechnet werden, wenn die Behandlung in den Vorquartalen wegen derselben chronischen Erkrankung erfolgte. Deswegen ist darauf zu achten, dass in jedem Quartal eine identische Codierung für die Adipositas (E66.- oder E66.8) angegeben wird.

Für die Behandlung von Übergewichtigen sieht der EBM keine speziell berechnungsfähigen Leistungspositionen vor. Erörterungen zu Lebensgewohnheiten können mit der GOP 03230 berechnet werden.

Behandlung als IGeL

Den meisten Übergewichtigen muss allerdings verdeutlicht werden, dass zwar Übergewicht vorliegt, aber eine Behandlung zulasten der GKV, ausgenommen Untersuchungen bei der Erstvorstellung, nicht möglich ist. Werden dann Beratungen und ggf. auch Behandlungen erwünscht, sind die erbrachten Leistungen als IGeL privat zu liquidieren.

Stand: November 2022

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