Der höhere Faktor in der GOÄ

Folge 2: Die Begründung in der Rechnung

Bei der Abrechnung einer Leistung mit höherem Faktor muss dafür eine Begründung in der Rechnung angegeben werden. Auch dabei kann man so vorgehen, dass mögliche Einwände von Kostenträgern seltener werden.

Im § 12 der GOÄ steht, dass die Begründung „auf die einzelne Leistung bezogen“ sowie „verständlich und nachvollziehbar“ sein muss. 

„Auf die einzelne Leistung bezogen“

hat zwei Auswirkungen: Zum einen muss die Begründung inhaltlich auf die mit höherem Faktor berechnete Leistung bezogen sein. Sie muss so beschaffen sein, dass erkennbar wird, warum gerade diese Leistung schwieriger und/oder zeitaufwendiger war. So passt z. B. eine Begründung wegen des Vorliegens eines schweren Krankheitsfalles unmittelbar einsichtig zu Beratungsleistungen, nicht aber unbedingt zu Untersuchungen mit Geräteeinsatz. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass sich – wenn zutreffend und möglich – ein inhaltlicher Bezug der Begründung auch zu den Diagnoseangaben herstellen lässt. 

Praxistipp: 

Formulieren Sie die Begründungen so, dass die Frage nach „Warum war diese Leistung aufwendiger?“ beantwortet wird. 

Zum anderen muss die Begründung in der Rechnung so angeführt sein, dass unmittelbar ersichtlich ist, auf welche Leistung sich die Begründung bezieht. Das macht man in der Regel ganz einfach: Die Begründung wird in der Rechnung unmittelbar unter der Leistung angeführt, die mit höherem Faktor berechnet wird.

„Verständlich und nachvollziehbar“

heißt nicht, dass man die Begründung mit Rücksicht auf jeden nur denkbaren (niedrigen) Bildungsstand fassen muss. Fachausdrücke, die außerhalb des eigenen Fachgebietes kaum bekannt sind oder gar kryptische Abkürzungen gehören jedoch nicht in die Begründung.

Patientenbezogen

Aus dem Kontext der Regelungen und aus der Rechtsprechung heraus besteht die Forderung, dass die Begründung patientenbezogene Besonderheiten erkennen lassen muss. Den höheren Faktor nur mit Anführung eines aufwendigeren Behandlungsverfahrens zu begründen, ermöglicht deshalb Einwände von Kostenträgern. 

Beispiel

Statt bei einer Exzision nur zu schreiben „Intrakutannaht“ ist es besser, z. B. folgende Begründung zu schreiben: „bei Exzision im Gesichtsbereich erforderliche zeitaufwendige Intrakutannaht“. 

Das mag etwas übertrieben wirken. In der Praxis hat es sich aber bewährt, auf die Formulierung der Begründungen einige Worte mehr zu verwenden und so zu formulieren, dass ein Bezug zum Patienten oder der Erkrankung ausgedrückt ist. Hinterlegt man diese Formulierungen in der Software, wird die Mühe rasch geringer. 

Hinweis

Selbstverständlich wird nur dann der Faktor gesteigert, wenn ein Grund dafür tatsächlich vorliegt. Erinnert sei auch daran, dass der erhöhte Aufwand nicht immer zum 3,5- bzw. 2,5-fachen Faktor führen muss, sondern ein Zwischenwert angemessen sein kann.

wichtigWeitere Beispiele für Begründungen aus der dermato­logischen Praxis beim Ansatz eines erhöhten Faktors:

„zeitaufwendige Beratung bei mehreren, gleichzeitig bestehenden Erkrankungen (siehe Diagnosen)“

„erhöhter Zeitaufwand der Beratung bei häufig wechselndem Beschwerdebild“

„erhöhter Zeitaufwand der Beratung bei maligner Erkrankung (siehe Diagnosen)“

„erhöhter Zeitaufwand bei Be­ratung zu Therapieoptionen“

bei Früherkennungsuntersuchung: „erhöhter Zeitaufwand wegen Beratung zur Hautkrebsprophylaxe“

„erhöhter Zeitaufwand bei hoher Ausdehnung der Hautveränderung“ und in den Diagnoseangaben auch das Wort „groß“ (oder ähnlich) verwenden

„erhöhte Schwierigkeit der Untersuchung bei akuter Entzündung“ und auch dies in den Diagnose­angaben berücksichtigen

z. B. bei Exzisionen: 

„erhöhte Schwierigkeit bei multiplen Blutungen unter Einnahme gerinnungshemmender Medikamente“ und in den 

Diagnosen anführen „koronare Herzkrankheit, Acetylsalicyl­säure-Medikation“

 

► Den ersten Beitragsteil "Der höhere Faktor in der GOÄ" finden Sie hier.

Silvia Kappe
Apotheken- und Ärzte-Abrechnungszentrum Dr. Güldener GmbH 
Marienstraße 10
70178 Stuttgart
0151 11129141
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