Wenn IGeL, dann korrekt liquidieren

Im Vergleich zu anderen Facharztgruppen erbringen Kinder- und Jugendärzte relativ wenige Leistungen, die sie bei ihren Patienten als IGeL liquidieren können. Die Abwicklung der Erbringung und die Liquidation von IGeL verläuft deswegen in Kinderarztpraxen häufig nicht so routiniert wie bei anderen Facharztgruppen. Werden vorgegebene Formalien bei der Berechnung von IGeL nicht beachtet, kann es sein, dass die Begleichung der Rechnung mit dem Hinweis auf fehlerhafte Ausführung nicht bezahlt wird. Umso wichtiger ist es, bei der Erbringung und Liquidation von IGeL bestimmte Vorgaben zu beachten.

Vom Grundsatz her sind IGeL so zu handhaben wie Leistungen bei Privatpatienten. Allerdings sind einige Besonderheiten zu beachten.

1. Liquidation

IGeL sind bei Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen nur nach Abschluss eines schriftlichen Vertrages und nur nach der GOÄ zu liquidieren. Als Wunschleistungen sind IGeL gemäß § 12, Abs. 3 der GOÄ zu kennzeichnen, etwa mit dem Zusatz „auf Verlangen“.

2. Kostenvoranschlag

Erforderlich ist ein Kostenvoranschlag  nicht, aber dringend zu empfehlen. Die „wirtschaftliche Aufklärung“ wird zunehmend als verpflichtend angesehen. Erfahrungsgemäß neigen Patienten dazu, IGeL-Liquidationen nicht oder nicht vollständig zu begleichen, wenn das Ergebnis nicht den Vorstellungen entspricht. Argumentiert wird dann, die IGeL wären nicht in Anspruch genommen worden, wenn die (hohen) Kosten vorab bekannt gewesen wären.

wichtigVor der Erbringung von IGeL immer Behandlungsvertrag schließen

IGeL immer nach der GOÄ liquidieren

Vor IGeL unbedingt wirtschaftliche Aufklärung (Kostenvoranschlag) vornehmen

Erbetene unwirtschaftliche Leistungserbringungen sind als IGeL zu liquidieren

Keine Erfolgsgarantie bei IGeL

3. Rechnungslegung verpflichtend

Ärztliche Leistungen sind immer nach einer Gebührenordnung zu liquidieren, IGeL nach der GOÄ. Das gilt auch für einfache IGeL, zum Beispiel für die von Kinderärzten häufig erbetenen Atteste für die Schule oder für die Befreiung von sportlicher Betätigung, die in der Regel mit Nr. 70 GOÄ liquidiert werden (2,15-fach/5,00 €).

4. Analogberechnungen

Für viele IGeL findet sich in der GOÄ keine entsprechende Position, beispielsweise für die Behandlung von derzeit immer häufiger vorkommenden übergewichtigen Kindern.

In derartigen Fällen sind IGeL gemäß § 6 Abs. 2 der GOÄ analog zu liquidieren und zwar mit einer nach Art, Kosten- und Zeitaufwand gleichwertigen Position der GOÄ. Bei einer Behandlung wegen Übergewicht, abhängig vom Aufwand, kann zum Beispiel analog nach Nr. 34 oder 806 der GOÄ abgerechnet werden.

5. Gewünschte Unwirtschaftlichkeit

Immer wieder bitten Patienten bzw. die Eltern der Patienten darum, bestimmte Untersuchungs- oder Behandlungsmethoden einzusetzen, über die sie zumeist durch die Medien Informationen erhalten haben, die aber nicht erforderlich und damit unwirtschaftlich sind.
Beispiel: Gewünscht wird bei einem kleinwüchsigen Kind eine Analyse des Endstadiums des Größenwachstums.

6. Steigerungsfaktoren bei IGeL

In der Regel sind IGeL mit den gemäß der GOÄ üblichen Steigerungsfaktoren zu liquidieren, somit für ärztliche Leistungen mit dem 2,3-fachen Satz, bei delegierbaren Leistungen mit dem 1,8-fachen. Bei Überschreiten dieses sogenannten Schwellenwertes ist mit Begründung eine Liquidation bis zum 3,5-fachen beziehungsweise 2,5-fachen Steigerungsfaktor möglich. Bei darüber hinaus gehenden Steigerungsfaktoren ist auch bei IGeL vor der Leistungserbringung eine Abdingung mit dem Patienten zu vereinbaren.

7. Keine Erfolgsgarantie

Bei der Erbringung von IGeL kann ein Erfolg nicht garantiert werden. Gerade bei der Erbringung und Liquidation von IGeL wird dies von den Patienten häufig anders gesehen, zum Beispiel bei Gewichtsreduktionen, bei Akupunkturbehandlungen etc. Deswegen ist darauf hinzuweisen, dass ein bestimmter Erfolg für das mittels IGeL angestrebte Behandlungsziel nicht garantiert werden kann.

8. Information über IGeL

Es ist sinnvoll, durch Auslagen im Wartezimmer darüber zu informieren, welche IGeL konkret in der Praxis angeboten werden. Bewährt hat sich, auch die Kosten für die IGeL zu benennen. In der Regel sind die Patienten bzw. die Eltern der Patienten erstaunt, zu welch relativ günstigen Preisen die meisten IGeL in Arztpraxen angeboten werden.

► Stand: Februar 2021

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