Vorgaben vor der Erbringung beachten!

Immer wieder wird auch in der Laien­presse über das Angebot individueller Gesundheitsleistungen (IGeL) in Vertragsarztpraxen berichtet. Die Krankenkassen informieren ihre Versicherten über Regularien, welche bei der Inanspruchnahme von IGeL zu beachten sind.

IGeL sind Wunschleistungen, die grundsätzlich von der Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenkassen ausgeschlossen sind. Bei Wunschleistungen ist immer vor der Behandlung ein schriftlicher Behandlungsvertrag zu schließen (§ 18 Bundesmantelvertrag).

Behandlungsvertrag im Detail

Angeblich werden nach Erhebungen der Krankenkassen nach wie vor etwa die Hälfte aller IGeL ohne Behandlungsvertrag erbracht und berechnet. Damit wird ein Angriffspunkt gegeben, die Begleichung der Liquidation von IGeL ganz oder gar teilweise zu verweigern mit dem Argument, es sei nicht bewusst gewesen, dass eine Leistung außerhalb der Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenkassen durchgeführt wurde. Oder: Die IGeL wären nicht in Anspruch genommen worden, wenn vorab die (hohen) Kosten für deren Durchführung bekannt gewesen wären.
Der Behandlungsvertrag sollte einige Punkte beinhalten, die im rechten Infokasten aufgelistet sind (s. Infokasten).

Punkte im BehandlungsvertragAuflistung der wahrscheinlichen Einzelleistungen mit Angabe der GOÄ-Positionen bzw. der Analogziffern und des Steigerungssatzes

Voraussichtliche Höhe des Honorars in Euro

Ausdrückliche Erklärung, dass die Erbringung der Leistungen auf Wunsch erfolgte, am besten mit dem Zusatz in der Liquidation „auf Verlangen“.

Dass aufgeklärt wurde, dass die gewünschte IGeL nicht Bestandteil der GKV-Leistungspflicht ist.

Dass informiert wurde, dass die IGeL nicht mit der Krankenkasse abgerechnet werden können und dass kein Anspruch auf Kostenerstattung besteht.

Der Behandlungsvertrag ist in doppelter Ausführung zu erstellen und sowohl von der Ärztin bzw. dem Arzt als auch von der Patientin bzw. dem Patienten zu unterschreiben, ein Exemplar erhält die Patientin bzw. der Patient, eines verbleibt in der Praxis.

Liquidation

IGeL sind grundsätzlich nach der GOÄ zu liquidieren. Bei einfachen Bescheinigungen, in der Regel abzurechnen mit Nr. 70 der GOÄ, wird zumeist weder ein Behandlungsvertrag noch eine Liquidation nach der GOÄ erstellt. Im Zweifelsfall würde die liquidierende Ärztin bzw. der Arzt aber das Nachsehen haben, auch wenn es in der Praxis kaum vorkommen wird, dass die pauschale Liquidation einfacher Bescheinigungen oder Atteste nach Nr. 70 GOÄ (2,15-fach/5,00 €) beanstandet wird.

Besondere Konstellationen

Ein detaillierter Behandlungsvertrag ist besonders dann erforderlich, wenn Leistungen zur Behandlung einer Erkrankung erbracht werden, von den Patientinnen und Patienten aber eine besondere Ausführung verlangt wird.
Beispiele: Entfernung von Warzen mittels Laser anstelle des kostengünstigeren Auftragens von Externa, Verordnungen von Massagen, die aus medizinischen Gründen nicht erforderlich sind, zusätz­liche präventive Untersuchungen wie zum Beispiel ein Hautkrebsscreening außerhalb der für GKV-Versicherte vorgegebenen Zeitintervalle, Laboruntersuchungen ohne medizinische Indikation und so weiter.

Gelegentlich wird eine Behandlung als Wunschleistung gewünscht, obwohl deren Durchführung zulasten der GKV möglich wäre, etwa weil befürchtet wird, dass durch die Weitergabe der Behandlungs­daten an die KV und die Krankenkasse eine unangenehme oder peinliche Erkrankung in weiteren Kreisen bekannt wird, z. B. der Nachweis von Chlamydien, die Abklärung eines Fluors aus der Urethra, Verdacht auf das Vorliegen einer venerischen Erkrankung usw. In derartigen Fällen sollte in dem Behandlungsvertrag klargestellt werden, dass eine zulasten der GKV behandlungsfähige Erkrankung ausdrücklich auf Wunsch als IGeL erbracht und liquidiert wird.

Fazit

Die vorstehenden Ausführungen lassen erkennen, dass häufig die vor der Erbringung von IGeL erforderlichen Vorleistungen umfangreicher sind als die Wunschleistungen selbst.

WichtigVor IGeL immer schriftlichen Behandlungsvertrag schließen.

Ein Exemplar des Behandlungsvertrags für die Patientin bzw. den Patienten, eines für die Ärztin bzw. den Arzt.

Bei der Liquidation von IGeL vermerken, dass die Leistungen auf Wunsch erbracht werden. 

Werden unwirtschaftliche Behandlungsmethoden verlangt, den Sachverhalt detailliert dokumentieren.

Wird vor IGeL kein schriftlicher Behandlungsvertrag geschlossen, bietet man Angriffspunkte, die Begleichung der Liquidation von IGeL ganz oder teilweise zu verweigern.

Interessiert an neuen Fortbildungen oder Abrechnungstipps?

Abonnieren Sie unseren Infoletter.
 

Zur Infoletter-Anmeldung

x
Newsletter-Anmeldung