Atopische Dermatitis und Biofaktoren­status – Tipps für die Diagnostik

Helfen Biofaktoren wie Vitamin C, Vitamin D und Zink bei der Behandlung der atopischen Dermatitis? Mit der Frage befasste sich ein Beitrag aus der letzten Ausgabe des Wirtschaftsmagazins für die hautärztliche Praxis. Heute geht es darum, wie ein Mangel der betroffenen Biofaktoren in der Praxis diagnostiziert werden kann.

Das ist durch Studien belegt

In der in der letzten Ausgabe erwähnten Meta-Analyse1 an 49 Studien zum Nutzen von Biofaktoren bei atopischer Dermatitis wurden folgende Ergebnisse zitiert:

  • Vitamin D3 ist bei Patientinnen und Patienten mit atopischer Dermatitis hilfreich.2,3
  • Zinkmangel kann atopische Dermatitis verschlimmern.4,5
  • Die Korrelation zwischen Vitamin-C-­Mangel und atopischer Dermatitis ist nachgewiesen.

Vitamin-D3-Status bestimmen

Um bei Patientinnen und Patienten mit atopischer Dermatitis Hinweise auf die Vitamin-D3-Versorgung zu erhalten, wird nicht der Vitamin-D3-Serumspiegel gemessen. Der Serumwert gibt lediglich die Vitamin-D3-Aufnahme der letzten Tage wieder. Um die längerfristige Versorgung mit dem Biofaktor zu bestimmen, wird Calcidiol gemessen (s. Tab. 1). Und laut Empfehlung des Institute of Medicine gilt die Vitamin-D3-Versorgung als gesichert, wenn die Serumkonzentration der Speicherform Calcidiol (= 25(OH)D3) über
50 nmol/l bzw. 20 ng/ml liegt.6,7

Allerdings werden auch andere bzw. erweiterte Grenzwerte8 genannt als diejenigen in Tabelle 1:

  • 25(OH)D3: 20–30 ng/ml: relativer Vitamin-D3-Mangel
  • 25(OH)D3: 30–60 ng/ml: ausreichende Vitamin-D3-Versorgung
  • 25(OH)D3 > 88 ng/ml: Vitamin-D3-Überversorgung
  • 25(OH)D3 > 150 ng/ml: Vitamin-D3-­Intoxikation
  • 25(OH)D3 > 280 ng/ml: massive Störung der Calciumhomöostase

Alternative: freies Vitamin D3 bestimmen9

Der Nachweis von 25(OH)D3 erfasst das freie, biologisch verfügbare Vitamin D3 (nur 1 %) und den an Trägermoleküle gebundenen weitaus größeren Anteil. Als Trägermolekül dient zu 85–90 % das Vitamin-D-bindende Protein DBP. Eine Differenzierung ist nicht möglich. Da DBP recht störanfällig ist, gilt der Nachweis des Gesamt-Vitamin-D3-Gehalts – gemessen als 25(OH)D3 – zur Korrelation mit freiem Vitamin D3 als unbefriedigend. Daher empfiehlt sich zur erweiterten Diagnostik bei Werten im Grenzbereich die Messung des bereits von einigen Laboratorien routinemäßig angebotenen freien Vitamin D3 (fD3).9,10 Die Bestimmung von fD3 im Serum ist unabhängig von Störgrößen und reflektiert den tatsächlichen Anteil des Biofaktors.

Zinkmangel nachweisen?

Für Zink existiert kein verlässlicher Biomarker zur routinemäßigen Beurteilung eines Defizits. Die Messung im Serum/Plasma oder der Aktivität zinkhaltiger Enzyme und vor allem die Bestimmung des Zink­gehalts in Haaren und Urin gelten als wenig zuverlässig.11,12

Dennoch ist die gängige Methode die Zinkbestimmung im Plasma – und dass obwohl Zink-Plasma durch Regulation von Resorption und Ausscheidung über einen weiten Bereich konstant gehalten wird. Normale Werte schließen einen Zinkmangel daher nicht aus. Umgekehrt deuten niedrige Plasmawerte nicht unbedingt auf ein Zinkdefizit hin, da Stress, Infarkte, Infektionen oder Hypalbuminämie die Werte ebenfalls absenken können.

Da der größte Teil von Zink an Erythrozyten gebunden ist, unterliegt die Vollblutdiagnostik wenig Störeinflüssen, ist aber zeitaufwändig und selten praxis­tauglich. Der momentan einfachste und zuverlässigste Weg – und daher auch in der Behandlung der atopischen Dermatitis zu empfehlen – stützt sich auf Anamnese, Ursachen und Risikofaktoren sowie die Besserung der Symptomatik nach Zinkgabe.13
 

Literatur

1 Vaughn AR et al.: Micronutrients in atopic dermatitis: A systematic review. J Altern Complement Med 2019 Jun, 25(6): 567-577
2 Hattangdi-Haridas SR et al.: Vitamin D deficiency and effects of Vitamin D supplementation on disease severity in patients with atopic dermatitis: A systematic review and Meta-Analysis in adults and children. Nährstoffe 2019 Aug 9, 11(8): 1854
https://www.med.uni-muenchen.de/aktuell/artikel/entzündliche-Hauterkrankungen
4 Karabacak E et al.: Erythrocyte zinc level in patients with atopic dermatitis and its relation to SCORAD index. Postepy Dermatol Alergol 2016 Okt, 33(5): 349-352
5 Kim et al.: Hair zinc levels and the efficacy of oral zinc supplementation in patients with atopic dermatitis. Acta Derm Venereol 2014, 94: 558-562
6 Holick MF: Bioavailability of Vitamin D and its metabolites in black and white adults. In: New England Journal of Medicine. Band 369, Ausgabe 21 vom 21. November 2013, S. 2047–2048
7 rki.de/SharedDocs/FAQ/Vitamin_D/FAQ07
www.wikipedia.de
www.ganzimmun.de
10 www.ladr.de
11 Hahn A et al.: Ernährung: Physiologische Grundlagen, Prävention, Therapie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart. 2016, 3. Auflage
12 Classen HG et al: Zink. Das unterschätzte Element. MMP 2020, 43(4): 149-157
13 Fukada T et al.: Zink homeostasis and signaling in health and diseases: Zinc signaling. J Biol Inorg Chem 2011, 16: 1123-1134

Dr. Daniela Birkelbach
Gesellschaft für Bio­faktoren e. V.
daniela.birkelbach@gf-biofaktoren.de
www.gf-biofaktoren.de