Praxisvergleich 2016 – Wo steht Ihre Praxis wirtschaftlich?

Die Beschäftigung mit den Zahlen der eigenen Praxis ist für jeden Praxisinhaber unabdingbar, um das Unternehmen Arztpraxis wirtschaftlich im Griff zu behalten. Nur ein guter Mediziner zu sein, reicht nicht aus, um auch gute Betriebsergebnisse zu erzielen. Woran erkennt man aber, ob das Betriebsergebnis gut bzw. gut genug ist? Unsere Praxisvergleichszahlen können Ihnen dabei weiterhelfen.

Die BWA sollte die Einnahmen und Ausgaben der Praxis nach arztspezifischen Kriterien differenziert ausweisen. So ist die erste wichtige Information, wie sich die Einnahmen (=Praxisumsatz) zusammensetzen: wie hoch ist der Kassenanteil und wie hoch der Privatanteil? Gibt es weitere Praxiseinnahmen aus Gutachten, BG etc. und welchen Anteil haben sie am Gesamtumsatz? Bestenfalls sollte auch erkennbar und nachvollziehbar sein, wie sich die Zahlungen von der KV aus Abschlägen und Restzahlungen zusammensetzen. Bei sehr niedrigen Abschlägen und hohen Restzahlungen kann es aufgrund des verzögerten Zahlungszuflusses von der KV (zwei Restzahlungen fließen immer erst im Folgejahr zu) schon bei leicht schwankendem Praxisumsatz zu starken Verschiebungen im Betriebsergebnis kommen – was die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Situation erschwert.


Mehrjahresvergleich

Daher sollten für eine Standortbestimmung der eigenen Praxis zunächst immer mehrere Jahre betrachtet werden. Vergleichszahlen über einen Zeitraum der letzten fünf bis sechs Jahre geben Aufschluss darüber, wie sich Umsatz, Kosten und Gewinn grundsätzlich entwickelt haben. Auch können Erkenntnisse gewonnen werden, wie sich die KV- und Privateinnahmen insgesamt und im Verhältnis zueinander entwickelt haben.

Der Mehrjahresvergleich ist ein wichtiges Instrument zur Kontrolle der wirtschaftlichen Entwicklung der Praxis. Er ist Teil des internen Praxisvergleiches, der mindestens einmal jährlich erfolgen sollte.


Vergleich mit den Vorjahreszahlen

Regelmäßig, mindestens jedoch zweimal im Jahr sollte auf Basis der BWA per Juni und Dezember ein vertiefender Vergleich mit den Vorjahreszahlen erfolgen. Für diesen Teil des internen Praxisvergleichs ist es ebenso wichtig, in der BWA eine detaillierte und möglichst arztspezifisch aufgeschlüsselte Ausgabenseite vorzufinden. Aus ihr sollten beispielweise nicht nur die Personalkosten in einer Summe hervorgehen, sondern auch, wie sich die Personalkosten zusammensetzen. Denn auch die Kosten eines angestellten Arztes oder die Kosten für einen Praxisvertreter verbergen sich hinter dieser Position. Um die Personalkostenquote (Anteil der Personalkosten am Gesamtumsatz) der eigenen Praxis ermitteln zu können, müssen die Kosten um diese Positionen bereinigt werden.

Auch muss hinterfragt werden, ob im Vergleichszeitraum außerordentliche Kosten entstanden sind, die ebenfalls bereinigt werden müssen.

  • Sind die Praxisräume renoviert worden,
  • sind größere Reparaturen angefallen oder
  • sind einmalige Kosten für die Einrichtung einer neuen Website entstanden?

Wenn ja, werden sie das Ergebnis des laufenden Jahres verschlechtern, sind aber für die Beurteilung der regelmäßigen Kostenquote (Anteil der Praxisausgaben am Gesamtumsatz) gesondert zu betrachten.


Prozentuale Werte?

Warum eigentlich ist beim Praxisvergleich die Betrachtung der prozentualen Werte so wichtig? Weil mit der absoluten Zahl des Gewinns keine Aussage über die Wirtschaftlichkeit einer Praxis gemacht werden kann. Ein Gewinn von 165.000 Euro pro Jahr kann für eine Praxis gut oder schlecht sein – je nachdem, wieviel Umsatz diese Praxis erwirtschaftet.

Liegt der Umsatz beispielsweise bei 450.000 Euro, dann beträgt der Gewinn nicht einmal 37 %. Das wäre für eine allgemeinmedizinische Praxis ein schlechtes Ergebnis und die Kostenstruktur dieser Praxis müsste dringend untersucht werden. Beträgt der Umsatz dieser Praxis jedoch 300.000 Euro, wäre die Praxis betriebswirtschaftlich als gesund zu bezeichnen, denn der Gewinnanteil – auch Umsatzrendite genannt – läge bei 55 %. Ein Ergebnis, das sogar noch besser ist als der Durchschnitt innerhalb der Fachgruppe.


Externen Fachgruppenvergleich

Der Vergleich mit der Fachgruppe ist ein weiteres wichtiges Instrument, um die Stärken und Schwächen der eigenen Praxis erkennen zu können. Bei diesem externen Preisvergleich werden alle einzelnen Ausgabenpositionen (immer in % vom Umsatz) mit denen der Fachgruppe verglichen. Damit lässt sich leicht erkennen, ob die Personalkosten der eigenen Praxis zu hoch oder noch im Rahmen des Durchschnitts liegen, ob die Miete gemessen am Umsatz zu hoch ist – respektive die Räumlichkeiten ggf. überdimensioniert sind, ob die Ausgaben

  • für Praxis- und Laborbedarf,
  • für Geräte- und Einrichtungskosten,
  • für Versicherungen und
  • Verwaltungskosten usw.

normal sind, also dem Fachgruppendurchschnitt entsprechen, oder aber ob sie deutlich höher liegen. Wenn ja, muss überlegt werden warum und es muss überlegt werden, ob und wenn ja was dagegen unternommen werden kann.

Die aktuell vorliegenden Fachgruppenvergleichszahlen beziehen sich auf das letzte vollständige Kalenderjahr 2016. Als Grundlage dienen die insgesamt erwirtschafteten Praxiseinnahmen (Praxisumsatz = 100 %), zu denen die einzelnen Einnahmen- und Ausgabenpositionen prozentual ausgewiesen werden (Abb.1).


Unterschiede zwischen Ost und West

Nach wie vor sind deutliche Unterschiede – insbesondere bei der Einnahmenstruktur – zwischen den Ost- und West-Bundesändern erkennbar, weshalb die Zahlen weiterhin getrennt erfasst und ausgewiesen werden. So liegt bei fast allen Fachgruppen der Anteil der KV-Honorare an den Gesamteinnahmen in den Ost-Praxen deutlich höher als in den West-Praxen, was bedeutet, dass der Anteil der Privatpatienten und/oder IGeL-Leistungen in den Ost-Bundesländern noch immer sehr viel niedriger liegt als in den West-Bundesländern. Bei den allgemeinmedizinischen Praxen West beträgt der Anteil des KV-Umsatzes 76,3% des Gesamtumsatzes, dagegen liegt dieser Anteil in den Praxen Ost bei 89,2%. Bei den internistischen Praxen West beträgt er 71,5 % des Gesamtumsatzes, dagegen liegt dieser Anteil in den Praxen Ost bei 90,0 %.


Umsatzrendite

Setzt man den Praxisgewinn ins Verhältnis zu den Praxiseinnahmen, erhält man die sogenannte Umsatzrendite. Diese Kennziffer zeigt auf, wieviel Gewinn von 100 Euro Einnahmen nach Abzug der Praxis­ausgaben übrig bleibt.

Für 2016 liegt dieser Anteil in den allgemeinmedizinischen Praxen der West-Bundesländer bei 54,1 %, in den Praxen der Ost-Bundesländer bei knapp 59 %, also deutlich höher. Dieses bessere Ergebnis relativiert sich jedoch, wenn man die absoluten Zahlen hinzuzieht, da die Umsätze in den Praxen der Ost-Bundesländer noch immer unter denen der West-Bundesländer liegen – auch wenn sich dieser Unterschied in den letzten Jahren deutlich verringert hat.

In den internistischen Praxen der West-Bundesländer liegt dieser Anteil bei 52,2 %, in den Praxen der Ost-Bundesländer bei knapp 58,8 %. Hierzu ein Beispiel einer allgemeinmedizinischen Einzelpraxis: Während der durchschnittliche Umsatz im Westen bei etwa 315.700 Euro liegt, beträgt dieser bei der Einzelpraxis Ost etwa 277.400 Euro, also 38.300 Euro weniger pro Jahr. Bei einer Umsatzrendite von 58,9 % (Ost) beläuft sich der durchschnittliche Gewinn auf rund 163.400 Euro, bei einer Umsatzrendite von 54,1 % (West) beläuft sich der durchschnittliche Gewinn auf rund 170.800 Euro – mithin also nur noch ein Unterschied von 7.500 Euro pro Jahr beim Gewinn.

 

Kostenquote

Quasi das Gegenstück zur Umsatzrendite ist die Kostenquote, also der Anteil der gesamten Praxisausgaben an den Praxiseinnahmen.

Bei den Allgemeinmedizinern im Osten liegt die Kostenquote mit 41,1 % niedriger als in den Praxen der West-Bundesländer (45,9 %). Eine Differenz von 2,3 % fällt bei den Personalkosten auf: Der Anteil liegt in den Ost-­Praxen bei 23,2 %, in den West-Praxen bei 25,8 %.

Bei den Internisten im Osten liegt die Kostenquote mit 41,2 % niedriger als in den Praxen der West-Bundes­länder (47,8 %). Eine Differenz fällt bei den Personalkosten auf: Der Anteil liegt in den Ost-Praxen bei 21,5 %, in den West-Praxen bei 25,9 %.

Allen Fachgruppen gemeinsam ist ein deutlicher Anstieg der Personalkostenquote, was bedeutet, dass die Gehälter stärker gestiegen sind als die Umsätze in den Praxen. In den Ost-Praxen fällt dieser Anstieg prozentual noch höher aus, was mit der bundesweiten Angleichung der Gehaltstarife zu begründen ist, an denen sich viele Arztpraxen orientieren.


Eigene Praxisbesonderheiten berücksichtigen

Bei den Fachgruppenzahlen handelt es sich um Durchschnittswerte. Selbstverständlich müssen bei dem Vergleich der eigenen Zahlen mit denen der Fachgruppe etwaige Praxisbesonderheiten berücksichtigt werden, die größere Abweichungen vom Durchschnitt erklären können.

  • So liegen zwangsläufig die Personalkosten in den Praxen höher, in denen angestellte Ärzte arbeiten.
  • Sie werden in den Praxen niedriger liegen, in denen der Ehepartner als Mini-Jobber tatkräftig mitarbeitet und vielleicht eine Vollzeitkraft in der Verwaltung erspart.

Wenn jedoch keine Besonderheiten vorliegen, müssen größere Abweichungen analysiert werden, um Fehlentwicklungen entgegenzusteuern. Gleichzeitig können mit dem Fachgruppenvergleich aber auch Hinweise auf Optimierungspotenziale gefunden werden – oder aber der aktuelle Kurs bestätigt werden.


Fazit

In jeden Fall jedoch ist es sinnvoll, sich mit den Zahlen auseinanderzusetzen. Vergleichen Sie Ihre eigenen Zahlen mit den hier veröffentlichten Zahlen Ihrer Fachgruppe. Vermutlich werden sich daraus zunächst viele Fragen ergeben, die möglicherweise auch nicht von heute auf morgen zu beantworten sind. Vielleicht benötigen Sie auch sachkundige betriebswirtschaftliche Unterstützung, um einzelne Zahlen richtig interpretieren zu können. Wichtig ist jedoch, dass Sie Ihre Betriebswirtschaftlichen Auswertungen nicht einfach ignorieren und beiseitelegen. Denn nur wenn Sie wissen, wo Sie stehen, können Sie auch die Weichen für die Zukunft richtig stellen.

  • Weitere Informationen zu den hier veröffentlichen Zahlen erhalten Sie unter 05130/377057

Christiane Krefeld
Geschäftsführerin nilaplan Hannover • Magdeburg
Unternehmens­beratung für Heilberufe GmbH
nilaplan.de