Ein Biofaktorenmangel kann Hypertonie begünstigen

Die Bedeutung einer optimalen Versorgung mit den Biofaktoren Magnesium, Kalium und Vitamin D3 bei der Entwicklung einer arteriellen Hypertonie ist durch wissenschaftliche Studien gut dokumentiert und sollte in der Praxis berücksichtigt werden.

 

Bei Patienten mit Grenzwert­hypertonie können sich durch eine alleinige Magnesiumsubstitution die Blutdruckwerte in vielen Fällen normalisieren. Bei manifester Hypertonie kann der Biofaktor zu einer Blutdrucksenkung und Einsparung von Anti­hypertonika beitragen. In Studien konnte auch ein dosisabhängiger Magnesiumeffekt nachgewiesen werden: Mit jeder Zunahme der Magnesiumgabe um 10 mmol sank der systolische Blutdruck um 4,3 und der diastolische Blutdruck um 2,3 mmHg. 

Ein Magnesiummangel erhöht die neuromuskuläre Erregbarkeit aufgrund des verstärkten Calciumeinstroms an der Zell­membran, was für den erhöhten Gefäßtonus bei Hypertonikern verantwortlich ist. Im Umkehrschluss kann der Biofaktor auch bei normaler extrazellulärer Magnesiumkonzentration zu einer Blutdrucksenkung über Erniedrigung der intrazellulären Calciumkonzentration führen.  „Zahlreiche Studien, beispielsweise eine Metaanalyse von 34 Studien mit 2028 Teilnehmern zeigten, dass sich eine Magnesium-Supplementation positiv auf den systolischen und diastolischen Blutdruck auswirken kann“, bestätigte Prof. Klaus Kisters, stellvertretender Vorsitzender der Gesellschaft für Biofaktoren (GfB).

Die richtige Dosierung

KaliumAuch der Biofaktor Kalium ist für eine gesunde Herzfunktion sowie zur Blutdruckregulation bedeutsam. 
Kalium ist an der Aufrechterhaltung eines stabilen Herzrhythmus beteiligt, ein Mangel kann zu Herzrhythmusstörungen führen. 
Für die Blutdruckregulation ist eine ausgeglichene Balance zwischen Natrium und Kalium entscheidend. 
Da die Na+/K+-ATPase magnesiumabhängig ist, kann Kalium nur in Anwesenheit von Magnesium aufgenommen werden. 
Unter Magnesiummangel kann der Körper Kalium daher nur ungenügend in die Zellen aufnehmen, wodurch sich das kardiale Risiko zusätzlich erhöht.

Organische Verbindungen wie Magnesium­orotat zeichnen sich im Vergleich zu anorganischen Verbindungen in der Regel durch eine höhere Bioverfügbarkeit aus und sind besser verträglich. Wegen seiner wasserbindenden Wirkung im Darm kann es bei zu hoher Magnesiumzufuhr zu weichem Stuhl und Durchfall kommen. Magnesium­orotat ist weniger gut wasserlöslich und zeigt bei oraler Verabreichung eine geringe abführende Wirkung. Personen sollten sich an die vom BfR empfohlene Tageshöchst­dosis von 250 mg halten und diese auf mindestens zwei Einnahmen verteilen. Als Arzneimittel zugelassene Präparate können im Bedarfsfall höher dosiert werden; bei Hypertonie gilt die Empfehlung von 300 bis 600 mg Magnesium täglich. 

Vitamin-D3-Mangel vermeiden

Auch eine Unterversorgung mit ­Vita­min  D3 (Serumkonzentration der Speiche­rform 25-Hydroxyvitamin-D3 unter 50 nmol/l) gilt als Risikofaktor für die Entwicklung einer Hypertonie. Es konnte ein Zusammenhang zwischen Vitamin-D3-Mangel und Hypertonie mit mangelhafter Lichtzufuhr, sowie eine Senkung des Blutdrucks durch Vitamin-D3-Supplementierung gezeigt werden. Vitamin D3 und Magnesium wirken synergistisch: Vitamin D3 benötigt Magnesium für seine Umwandlung in den aktiven Metaboliten Calcitriol, und Vitamin D3 fördert die Magnesiumresorption im Dünndarm.

„Eine hohe Magnesiumzufuhr ist mit einem signifikant niedrigeren Risiko für einen Vitamin-D3-Mangel verknüpft. Aufgrund des Synergismus sollte insbesondere bei Herz-Kreislaufpatienten auf eine ausreichende Versorgung mit beiden Biofaktoren geachtet werden“, betont Prof. Hans Georg Classen, Vorsitzender der GfB. 

Hinsichtlich der Vitamin-D3-Supplementierung wird eine Tagesdosis von 800 IE bis 1.000 IE empfohlen, die bei den meisten Personen zu einem 25-Hydroxyvitamin-D3 im Serum von mindestens 50 nmol/l führt. Bei Resorptionsstörungen oder Adipositas  – der Biofaktor wird im Fettgewebe gespeichert – können Vitamin-D3-Dosen bis zu 4.000 IE zur Zielwerterreichung nötig sein.

 

Literatur

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4 Kisters K et al.: Decreased cellular Mg2+ concentrations in a subgroup of hypertensives: a membrane model for the pathogenesis of primary hypertension. Am J Hypertens 1998, 11 (11 Pt1): 1390-1393
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6 Online-Fach-Symposium der Gesellschaft für Biofaktoren e.V.: „Biofaktoren – Stellenwert in der Prävention und Therapie ausgewählter Volkskrankheiten“. 14. 11. 2020
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13 Pilz S et al.: Vitamin D status and arterial hypertension: a systematic review. Nat Rev Cardiol 2009, 6(10): 621-630
14 Gröber U, Schmidt J, Kisters K: Magnesium in prevention and therapy. Nutrients 2015, 7: 8199-8226; DOI: 10.3390/nu7095388

 

Dr. Daniela Birkelbach
Gesellschaft für 
Bio­faktoren e. V. 
daniela.birkelbach@
gf-biofaktoren.de
www.gf-biofaktoren.de