Welche Rolle spielt Vitamin D bei Neurodermitis?

Die Symptome einer Neurodermitis verschlechtern sich oft im Winter. Eine kontrollierte Behandlung mit UV-Licht, das die Vitamin-D-­Produktion über die Haut anregt, gilt als übliche Behandlung dieser chronisch-entzündlichen Hauterkrankung. Doch die Schlussfolgerung, dass ein Vitamin-D-Mangel die Beschwerden einer Neurodermitis verschlechtert, hat bisher wenig Beachtung gefunden. Die Gesellschaft für Biofaktoren verweist nun auf wissenschaftliche Untersuchungen der letzten Jahre, in denen eine gezielte Vitamin-D-­Supplementierung bei Neuro­dermitis helfen kann.

Eine Untersuchung aus der Mongolei – einer Region mit langen sonnenarmen Wintermonaten – an mehr als 100 Kindern zwischen 2 und 17 Jahren mit Neurodermitis zeigt eine signifikante Verbesserung des Krankheitsbildes durch eine Vitamin-D-Supplementation von 1.000 IE Vitamin D3 über einen Monat.1 Ähnliche Resultate konnten bereits in einer Pilotstudie an einer kleinen Gruppe von 11 Kindern in Boston beobachtet werden.2 Bei 239 Neugeborenen war die Vitamin-D-Konzentration im Nabelschnurblut invers mit dem Risiko des Entstehens einer Neurodermitis bis zum 5. Lebensjahr assoziiert.3 In zwei RCT-Studien führte die Supplementierung von 1.600 IE Vitamin D3 allein wie auch in Kombination mit 600 IE Vitamin E über einen Zeitraum von zwei Monaten bei Neurodermitis-Patienten im Alter zwischen 13 und 45 Jahren zu einer signifikanten Verbesserung des Hautbildes.4,5

Vitamin-D-Mangel weit verbreitet

Die Vitamin-D-Versorgung gilt als gesichert, wenn die Serumkonzentration der Speicherform des Vitamin D, Calcidiol = 25-Hydroxy-­Vitamin-D3, bei einem Wert über 50 nmol/L liegt. Nach Auswertungen des Robert Koch-Instituts sind knapp 62 % der Bevölkerung nicht ausreichend und 30,2 % mangelhaft mit Vitamin D versorgt, da bei letzteren die Serumkonzentrationen sogar unter 30 nmol/L liegen.6

Die Ursachen für einen Vitamin-D-Mangel sind vielfältig und werden durch verminderte Synthese und Zufuhr sowie einen erhöhten Bedarf an dem Biofaktor ausgelöst.7 Am besten bekannt ist die verminderte Vitamin-D-Synthese über die Haut durch ungenügende Sonnenexposition. Ein erhöhtes Risiko für einen Vitamin-D-Mangel kann insbesondere bei Säuglingen, Schwangeren, Stillenden und Senioren festgestellt werden.8,9

Zudem kann die Vitamin-D-­Resorption durch chronische Mal­absorptionssyndrome vermindert sein, beispielsweise bei Mukovis­zidose, Morbus Crohn, Zöliakie und Leber­erkrankungen. Bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz wird häufig mehr Vitamin D renal ausgeschieden und weniger aktives Vitamin D gebildet.7 Auch die langfristige Einnahme von Arzneimitteln wie Antiepileptika, Sedativa, Glukokortikoiden, Protonenpumpeninhibitoren oder Zytostatika kann zu einer Vitamin-D-Unterversorgung führen.10,11,12

Nicht zuletzt wirken Vitamin D und Magnesium synergistisch.13 Vitamin D benötigt Magnesium für seine Umwandlung in den aktiven Metaboliten Calcitriol; Vitamin D fördert umgekehrt die Resorption von Magnesium im Dünndarm. Ein Mangel an einem der beiden Biofaktoren kann daher ein Defizit an dem jeweils anderen verstärken.

Zu beachtenHinsichtlich der Vitamin-D3-Supplementierung wird eine Tagesdosis von 800 IE (= 20 µg) von der DGE empfohlen14, die bei den meisten Personen zu einem 25-Hydroxy-Vitamin-D3 im Serum von mindestens 50 nmol/L führt.

Vitamin D wird im Fettgewebe gespeichert und steht dem Körper nicht mehr zur Verfügung. Übergewicht erhöht die Gefahr eines Vitamin-D-­Mangels.15 Bereits eine 10 %ige Gewichtszunahme führt zu einem Rückgang der Vitamin-D-Serumspiegel um mehr als 4 %. Bei Übergewichtigen kann daher eine höhere Vitamin-D-Supplementierung notwendig sein. Auch Patienten mit Resorptionsstörungen benötigen mitunter größere Vitamin-D-Dosen zur Zielwerterreichung.

 

Vitamin-D-Versorgung bei Neurodermitis beachten

Aufgrund der aktuellen Studienlage rät die Gesellschaft für Biofaktoren, dass der Ausgleich eines Vitamin-D-Mangels in der Neurodermitis-Therapie neben klassischen Behandlungsmethoden einen festen Stellenwert einnehmen sollte.

Die Gesellschaft für Biofaktoren e. V. ist ein gemeinnütziger Verein, der das Ziel verfolgt, die wissenschaftlichen Grundlagen der Therapie und Prophylaxe mit Biofaktoren zu fördern. Zu den Biofaktoren gehören insbesondere Vitamine und Mineralstoffe­ – Substanzen, die der Körper für seine physiologischen Funktionen benötigt und die gesundheitsfördernde oder krankheitsvorbeugende biologische Aktivitäten besitzen.

 

1 Camargo CA et al.: Randomized trial of vitamin D supplementation for winter-related atopic dermatitis in children. Atopic Derm Skin Disease 2014, 134(4): 831-835
2 Sidbury R et al.: Randomized controlled trial of vitamin D supplementation for winter-related atopic dermatitis in Boston: a pilot study. Br J Dermatol 2008, 159: 245-247
3 Baiz N et al.: Cord serum 25-hydroxyvitamin D and risk of early childhood transient wheezing and atopic dermatitis. J Allergy Clin Immunol 2014, 133: 147-153
4 Amestejani M et al.: Vitamin D supplementation in the treatment of atopic dermatitis: a clinical trial study. J Drugs Dermatol 2012, 11(3): 327-330
5 Javanbakht MH et al.: Randomized controlled trial using vitamins E and D supplementation in atopic dermatitis. J Dermatolog Treat 2011, 22(39): 144-150
6 Rabenberg M et al.: Vitamin-D-Status in Deutschland. J Health Monitoring 2016, 1(2): 36-42. Robert Koch-Institut, Berlin. DOI 10.17886/RKI-GBE-2016-036.
7 Holick MF et al.: Vitamin D deficiency: a worldwide problem with health consequences. Am J Clin Nutr 2008, 87(4): 1080S-1086S
8 Pietrzik K et al.: Handbuch der Vitamine, 2008, S. 275
9 Wacker M et al.: Sunlight and Vitamin D: A global perspective for health. Dermato-Endocrinology 2013, 5(1): 51-108
10 Mohn et al.: Evidence of drug-nutrient interactions with chronic use of commonly prescribed medications: An update. Pharmaceutics 2018, 10: 36
11 Samaras D et al.: Effects of widely used drugs on micronutrients: A story rarely told. Nutrition 2013, 29: 605-610
12 Gröber U: Arzneimittel und Mikronährstoffe. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH 2007
13 Gröber U, Schmidt J, Kisters K: Magnesium in prevention and therapy. Nutrients 2015, 7: 8199-8226
14 www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/vitamin-d/
15 Holick MF et al.: Evaluation, treatment, and prevention of vitamin D deficiency: an Endocrine Society clinical practice guideline. J Clin Endocrinol Metab 2011 Jul, 96(7): 1911-1930

Dr. Daniela Birkelbach
Gesellschaft für Biofaktoren e. V.
daniela.birkelbach@gf-biofaktoren.de

www.gf-biofaktoren.de