Was können Biofaktoren bei der Psoriasis bewirken?

Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente zählen zu den Biofaktoren – Substanzen, die eine gesundheitsfördernde oder krankheitsvorbeugende biologische Aktivität besitzen. Dieser Beitrag stellt Biofaktoren mit einem potenziellen Nutzen bei Psoriasis vor.

Psoriasis, oder Schuppenflechte, zählt bekanntermaßen zu den nicht-ansteckenden, chronischen Autoimmun­erkrankungen mit erblicher Disposition. Die Krankheit zeigt sich als entzündliche Dermatose, darüber hinaus auch als Systemerkrankung mit Befall der Gelenke und Bänder (etwa jeder dritte Betroffene leidet an der Psoriasis-Arthritis), der Gefäße, des Herzens und der Augen. Aufgrund der Autoimmunreaktion kommt es zur gesteigerten Proliferation und gestörten Differenzierung der Keratinozyten, was sich symptomatisch in stark juckenden und geröteten Hautpartien vor allem im Bereich von Gesicht und Kopfhaut, Ellbogen und Kniescheibe mit den typischen silbrigen Schuppen sowie charakteristischen Nagelveränderungen zeigt.

Welche Rolle spielen Biofaktoren bei der Schuppenflechte?

In der Behandlung einer Psoriasis gibt es zwei Bereiche, bei denen der Einsatz von Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen zu berücksichtigen ist. Zum einen kann es durch gängige Psoriasis-Therapeutika aufgrund einer verminderten Resorption und erhöhten Ausscheidung zu einem Mangel an essenziellen Biofaktoren kommen, und zum anderen zeichnen sich einige der Biofaktoren durch einen eigenständigen Nutzen bei dieser Erkrankung aus.

Psoriasis-Therapie kann zu Biofaktorenmangel führen

Neben Bädern, Licht- und Lasertherapie werden je nach Schwere der Symptomatik verschiedene schulmedizinische Arzneimittel eingesetzt, die den Biofaktorenstatus stören und zu sogenannten „Biofaktorenräubern“ werden können:

  • Obwohl die orale Anwendung von Gluko­kortikoiden zur Langzeitbehandlung der Psoriasis nach wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht empfohlen werden kann, wird der Entzündungshemmer nach wie vor häufig eingesetzt. Im Hinblick auf den Biofaktorenstatus gilt es zu berücksichtigen, dass Glukokortikoide zu einer verstärkten Ausscheidung der Mineralstoffe Magnesium, Kalium und Zink sowie von Vitamin C führen können. Zudem gibt es Hinweise, dass die intestinale Resorption von Vitamin C gestört werden kann. Weiterhin ist nachgewiesen, dass oral eingesetzte Gluko­kortikoide durch Hemmung der Osteoblastenaktivität und Calciumresorption das Risiko für Knochenschwund und Frakturen erhöhen. Auch kann es sekundär zu einem Vitamin-D3-Mangel kommen, der ebenfalls mit einem erhöhten Osteoporose-Risiko korreliert.
  • Ciclosporin – ein Immunsuppressivum aus der Gruppe der Calcineurin-Hemmer – fördert die Ausscheidung von Magnesium. Das kann zu einem Magnesiummangel mit entsprechenden Mangelsymptomen und insbesondere Risiken für Herz und Kreislauf wie Hypertonie, Herzrhythmusstörungen und Herzinsuffizienz führen.
  • Der Folatantagonist Methotrexat wirkt antiphlogistisch und ebenfalls immunsuppressiv und hemmt die Aktivierung von Folsäure, welche die Zellen des Immunsystems zur Zellteilung benötigen. Methotrexat-Präparate können daher zu einem Folsäuremangel führen, aber auch die Vitamin-B12-Resorption hemmen und so zu Mangelerscheinungen der beiden Vitamine führen. Außerdem kann der Homocystein-
    Serumspiegel als Folge eines gestörten Folsäure- und Vitamin-B12-Metabolismus ansteigen. Homocystein ist ein toxisches Stoffwechselzwischenprodukt, das Blutgefäße schädigt und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht. Zudem gibt es Hinweise – auch aus Metaanalysen – dass Patientinnen und Patienten mit Psoriasis höhere Homo­cystein-Serumspiegel und niedrigere Folatspiegel im Vergleich zu gesunden Kontrollen aufweisen können. Das könnte nicht zuletzt ein Erklärungs­ansatz für das erhöhte Risiko für kardiovaskuläre Komorbiditäten bei Psoriasis-Patientinnen und -Patienten sein.
  • Auch der entzündungshemmende Wirkstoff Sulfasalazin zur Behandlung der Psoriasis-Arthritis kann Aufnahme und Wirkung des Vitamins Folsäure hemmen.

„In der Betreuung von Psoriasis-Patientinnen und -Patienten empfiehlt es sich daher, unter einer Behandlung mit den genannten Arzneimitteln regelhaft den Biofaktorenstatus zu prüfen und einen eventuellen Mangel durch eine gezielte Supplementierung auszugleichen“, betont Prof. Hans Georg Classen, Vorsitzender der Gesellschaft für Biofaktoren (GfB). „Praxisrelevante Tipps zur Labordiagnostik und Mangelsymptomatik der einzelnen Biofaktoren finden Sie auf der Webseite der GfB“, so Prof. Classen.

Welche Biofaktoren zeigen positive Effekte bei der Psoriasis?

Aufgrund seiner antiinflammatorischen und immunmodulatorischen Wirkungen wird Vitamin D3 in der topischen Behandlung der Psoriasis bereits seit langem eingesetzt. Mithilfe der Vitamin-D3-Analoga und Antipsoriatika Tacalcitol oder Calcipotriol lassen sich Entzündungen modulieren und die epidermale Hyperproliferation und Keratinisierung normalisieren.

Wie sieht es mit einer oralen Anwendung des Biofaktors Vitamin D3 aus? Auch wenn die Studienlage noch vergleichsweise begrenzt ist, zeigen wissenschaftliche Untersuchungen bei Betroffenen mit Autoimmunerkrankungen wie der Schuppenflechte ein erhöhtes Risiko für eine Unterversorgung an Vitamin D3 oder sogar einen Vitamin-D3-Mangel. Dabei korrelieren die Vitamin-D3-Spiegel auch mit dem klinischen Schweregrad der Psoriasis – definiert anhand des Psoriasis Area Severity Score (PASI-Score). Eine weitere Studie ging noch genauer auf die Thematik ein:

  • Die Prävalenz eines Vitamin-D3-Mangels mit Calcidiolmangel, das heißt 25-Hydroxy-Vitamin-D3-Spiegeln unter 20 ng/ml bzw. 50 nmol/l, bei Patientinnen und Patienten mit Psoriasis betrug 57,8 % gegenüber 37,5 % bei an rheumatoider Arthritis (RA) Erkrankten und 29,7 % bei gesunden Kontrollpersonen.
  • Im Winter stieg die Prävalenz des Vitamin-D3-Mangels bei Psoriasis-Patientinnen und -Patienten auf 80,9 %, bei RA-Erkrankten auf 41,3 % und bei gesunden Kontrollpersonen auf 30,3 %. Da alimentär nur geringe Mengen Vitamin D3 aufgenommen werden und der weitaus größte Anteil von 80 bis 90 % in der Haut unter Einfluss von UV-B-Strahlung gebildet wird, erklärt sich die schlechtere Vitamin-D3-Versorgung im Winter.
  • Ein Vitamin-D3-Mangel wurde unabhängig von Alter, Geschlecht, Body-Mass-­Index, Calcium- und Parathormonwerten sowie der Jahreszeit der Blutentnahme mit der Psoriasis assoziiert.

Es konnte nicht nur in Beobachtungsstudien eine Korrelation zwischen dem Vitamin-D3-Status und der Psoriasis nachgewiesen werden. Auch Interventionsstudien konnten die vorteilhafte Wirkung einer Vitamin-D3-Supplementierung bei Psoriasis zeigen – mit zum Teil vergleichbaren, teilweise sogar besseren Effekten im Vergleich zur Anwendung von Kortikosteroiden. Allerdings sind auch Studien bekannt, in denen eine Wirkung auf Krankheitsparameter nicht nachgewiesen werden konnte. Ob eine Vitamin-D3-Supplementation als regelhafter therapeutischer Ansatz bei der Psoriasis dient, muss daher noch mithilfe weiterer gut designter Studien untermauert werden.

Auch an den Zinkstatus denken

Nicht nur Akne oder Neurodermitis, sondern auch Psoriasis kann durch einen Zinkmangel begünstigt werden, wie zuletzt eine Metaanalyse aus dem Jahre 2019 zeigen konnte. Zudem gilt eine Zinksubstitution bei Psoriasis als sinnvoll – übrigens nicht nur gegen die Dermatose, sondern auch im Einsatz gegen die Psoriasis-Arthritis.

Fazit für die Praxis

Neben der klassischen Behandlung einer Psoriasis sollte bei betroffenen Patientinnen und Patienten auch auf den Biofaktorenstatus geachtet werden – zum einen, um arzneimittelbedingte Verluste auszugleichen und zum anderen, um die eigenständigen Effekte ausgewählter
Biofaktoren zu nutzen.

Literatur

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Dr. Daniela Birkelbach
Gesellschaft für Bio­faktoren e. V.
daniela.birkelbach(at)gf-biofaktoren(dot)de
www.gf-biofaktoren.de

  • Weitere Informationen: www.gf-biofaktoren.de oder in dem Review: Frank J, Kisters K, Stirban OA,
    Lorkowski S, Wallert M, Egert S, Podszun MC, Pettersen JA, Venturelli S, Classen HG, Golombek J. The role of biofactors in the prevention and treatment of age-related diseases. Biofactors 2021;47:522–550, IF 6.113.
  • Die Gesellschaft für Biofaktoren e. V. (GfB) ist ein gemeinnütziger Verein, der das Ziel verfolgt, die wissenschaftlichen Grundlagen der Therapie und Prophylaxe mit Biofaktoren zu fördern.